Allgemein

Orgelvokabular

– wie man alle Register zieht und mit dem Pedal einen Prospekt zum Klingen bringt –

Bevor wir tiefer in die Geschichte und Vorgeschichte der alten Orgel in St. Peter und Paul einsteigen, möchte ich einige Sätze zum Orgelvokabular schreiben und ein paar Quellen im Internet nennen, die Unterstützung dazu bieten.

Wie jedes Fachgebiet besitzt auch der Orgelbau eine eigene Fachsprache. Manche Begriffe gibt es nur hier; andere kennt man zwar, sie haben aber im Orgelbau eine spezielle oder sogar eine abweichende Bedeutung. Besonders der letzte Fall sorgt dafür, dass eine Fachsprache im ersten Moment unverständlich wirkt und zum „Fachchinesisch“ wird. Als Beispiele können die Begriffe „Prospekt“ und „Pedal“ herhalten, die ich im letzten Blogbeitrag verwendet habe. Unter einem Prospekt wird man sich im Alltag eine bebilderte Werbeschrift für Produkte vorstellen dürfen. Man darf im Alltag „der Prospekt“ oder „das Prospekt“ sagen, hierzulande ist letzteres wohl gebräuchlicher. Im Orgelbau sagt man immer „der Prospekt“, und mit einem Orgelprospekt ist keineswegs eine Werbepublikation eines Orgelbauers gemeint, sondern die Vorderansicht, das Erscheinungsbild der Orgel. In diesem Orgelblog sind schon zwei Prospekte zu sehen gewesen, in der Ankündigung des Blogs der Prospekt der Jann-Orgel in St. Peter und Paul und im gestrigen Blog der Prospekt der Orgel in der Steinauer Reinhardskirche. (Hier stammt übrigens das Orgelwerk aus dem Jahr 1966 und wurde von der Orgelbaufirma Stehle in einen schon seit 1730 vorhandenen Prospekt des Orgelbauers Johann Nikolaus Schäfer eingebaut.) Und weil wir uns als Orgelfans gern Orgelprospekte anschauen, gibt es nun noch Bilder der Prospekte der Mebold-Orgel in der Erlöserkirche und der Walcker-Orgel in der St. Laurentius-Kirche, beide in Bad Soden.

Natürlich hängen beide Verwendungen von „Prospekt“, die verbreitete und die orgelfachliche, zusammen. Es geht in jedem Fall um eine Ansicht, sei es die eines Produktes oder die einer Orgel. Wer aber die spezielle Verwendung des Wortes im Orgelbau nicht kennt, kann leicht auf eine falsche Fährte geraten.

Ein Pedal ist in jedem Fall eine Vorrichtung, die man mit den Füßen bedient. Hier besteht zwischen der alltäglichen und der orgelfachlichen Verwendung im Prinzip kein Unterschied. Dennoch mag man überrascht sein, dass die Vorrichtungen an einer Orgel, die einem Brems- oder Gaspedal eines Autos am meisten ähneln und dazu dienen, die Schwelljalousien einer Orgel zu öffnen und zu schließen oder Spielhilfen darstellen, keineswegs als Pedale bezeichnet werden, sondern als Tritte. Das Pedal einer Orgel bezeichnet ausschließlich die Tastenreihe, die sich am Boden befindet und im Gegensatz zu den anderen, den „Manualen“, nicht mit den Händen, sondern mit den Füßen bedient wird.

Ein weites Feld an Namen und Begriffen stellen die Bezeichnungen der Orgelregister dar. Register nennt man im Orgelbau die verschiedenen Klangfarben einer Orgel, die jeweils durch eine Reihe von Pfeifen gleicher Bauart erzeugt werden. Unter den Namen der Orgelregister sind vom Instrumentenbau her vertraute Bezeichnungen wie Blockflöte oder Trompete, und diese klingen in etwa wie dem Namen nach zu erwarten. Es gibt allerdings Registerbenennungen wie Prinzipal, das für den typischen Orgelklang verantwortliche Hauptregister einer Orgel, ein Begriff, der kein anderes Instrument bezeichnet und der nur im Zusammenhang mit der Orgel verwendet wird. Ein besonders vertracktes Beispiel ist der Registername Kornett. Ein Kornett kann durchaus ein Register bezeichnen, das ähnlich dem gleichnamigen Blechblasinstrument klingt, meist ist aber eine besondere Art von Register gemeint, bei dem auf jeder Taste mehrere Töne gleichzeitg erklingen.

Diese Beispiele zeigen, dass es leider nicht völlig einfach ist, sich im Fachvokabular des Orgelbaus zurechtzufinden. Manche Begriffe wurden vor mehreren Jahrhunderten geprägt und sind heute nicht mehr intutiv klar. Um ein Register zum Klingen zu bringen, musste man früher in jedem Fall einen mechanischen Zug bedienen, man spricht daher davon, Register zu ziehen und wieder abzustoßen. Heutige Orgeln besitzen für diesen Zweck zum Teil elektrische Wippschalter, Taster oder Bedienmöglichkeiten über einen Touchscreen.

Dennoch krümmt sich mancher Orgelsprachpurist, wenn jemand sagt, dass er ein Register ein- oder ausschaltet. Ich finde, man sollte es nicht übertreiben. Es macht Spaß, in die Orgelsprachwelt einzutauchen, sie immer besser verstehen und gebrauchen zu lernen, aber letztlich ist entscheidend, dass es auch hier um Verständigung geht.

Um die Ausführungen im Orgelblog gut verstehen zu können, möchte ich euch einige Quellen im Internet nennen, in denen man Orgelvokabular nachschlagen kann und schnell Erklärungen findet:

Die Wikipedia bietet einen schönen Übersichtsartikel zur Orgel und ein ganzes Portal zur Orgel, in dem sich weitere Artikel finden – insbesondere ein extrem hilfreiches Orgelglossar mit kurzen Erklärungen von Orgelbegriffen und eine Liste von Orgelregistern, ebenfalls mit knappen Erklärungen.

Kleine Orgellexika findet man auf diversen Seiten von Orgelbauern oder Kirchenmusikern, als Beispiel seien das Orgellexikon der Fa. Werner Mann oder das des Orgelvereins in Rudolstadt genannt. Wer sich mit französischem oder englischem Orgelbau befasst, für den wird das dreisprachige Orgelwörterbuch nützlich sein, das sich auf den Seiten der Orgelbaufirma Walcker findet.

Schließlich habe ich hier nebenan auf der Webseite noch das Kleine Orgellexikon zur Verfügung gestellt, das ich damals für die Festschrift zur Einweihung der Jann-Orgel vor 25 Jahre zusammengestellt habe. In ihm sind unter anderem Erklärungen aller Registernamen enthalten, die die Jann-Orgel besitzt.

Begrifflich gut gerüstet können wir uns nun in den nächsten Blogs vornehmen, welche Orgeln mit welchen Prospekten, Registern oder Trakturen schon in unserer Pfarrkirche St. Peter und Paul standen und erklangen …

 

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