Allgemein

Orgeln und Landschaften

– Orgelreisen durch Deutschland –

Größere Orgeln sind an ihrem Aufstellungsort fest installiert, und so entstehen aus ihnen Orgellandschaften, die mit ihrer Umgebung in vielfältigen kulturellen und historischen Beziehungen stehen. Von mindestens einer haben wir schon gesprochen, der norddeutschen Orgellandschaft mit ihren historischen Barockorgeln.

Als Orgelbaukreis waren für unsere Blicke über den Tellerrand solche Orte interessant, wo in jüngerer Zeit Orgeln entstanden waren. Hier konnten wir am besten lernen, wie man heutzutage eine Orgel baut, was es zu beachten gilt und auch, welche Orgelbauwerkstätten in den letzten Jahren oder Jahrzehnten gute oder hervorragende Werke erstellt hatten.

So entschieden wir uns als Orgelbaukreis dafür, mehrere Fahrten zur Besichtigung und Belauschung solcher Orgeln durchzuführen. Sie führten uns ins Ruhrgebiet, nach Franken und ins Rhein-Neckar-Gebiet.

Ein prägendes Erlebnis hatten wir bereits bei unserer ersten Fahrt, die ins Ruhrgebiet führte. Das Ruhrgebiet als Orgellandschaft bot genau das, was wir wollten. Bedingt durch das Wachstum der Bevölkerung waren hier in zahlreichen Kirchen vor gar nicht langer Zeit neue Orgeln entstanden. Eine, auf die uns unser Regionalkantor Thomas Wiegelmann hingewiesen hatte – terminbedingt konnte er bei der Fahrt ins Ruhrgebiet nicht dabei sein, war aber bei den anderen mit von der Partie -, war die im Jahr 1988 gerade neu erbaute Jann-Orgel in der evangelischen Kirche in Essen-Frintrop. Es war erstaunlich, wieviel Klang dieses Instrument in diesem Raum entwickelte, es war perfekt intoniert und darauf abgestimmt. In Essen-Frintrop haben wir überhaupt zum ersten Mal eine Jann-Orgel gehört, und der Hinweis von Thomas Wiegelmann sollte ganz entscheidend für unser Orgelprojekt werden.

Wir haben auf dieser Fahrt einige weitere Orgeln besichtigt, beispielsweise ein Werk von Mönch und Prachtel aus Überlingen in Duisburg-Hamborn, eine aus der führenden österreichischen Orgelbauwerkstatt Rieger in Essen-Altendorf oder eine Orgel von Alfred Führer aus Wilhelmshaven in Essen-Kray. Auf diesem Instrument, das so angenehm herb klingt wie ein norddeutsches Bier schmeckt, hat uns der Organist, der selbst gern konzertiert, bei unserem Aufenthalt in aller Kürze ein kleines Orgelkonzert gegeben.

Nach Mittelfranken fuhren wir schon mit der mit der festen Absicht, eine weitere Jann-Orgel zu hören, und zwar in der evangelischen Stadtkirche in Neustadt an der Aisch. Wir mussten uns nicht bemühen, die 1982 gebaute Orgel dort auf Herz und Nieren zu testen, das erledigte KMD Dieter Eppelein selbst gern für uns. Er hatte extra einen Organistenkollegen hinzugebeten, und während wir uns alle im Kirchenraum positionieren konnten, rief er seinem Kollegen Anweisungen zu, um uns alle möglichen und unmöglichen Registerkombinationen vorzuführen. Und selbst die schon abstrus zu nennende Kombination einer 16′-Pedalzunge mit einer 1′-Flöte aus einem Manual klang irgendwie gut, und die Töne sprachen synchron an.

Unsere Fahrt in den Rhein-Neckar-Raum brachte uns nochmal eindrucksvolle Klangerlebnisse, beispielsweise an der 1988 von Marcussen aus Dänemark erbauten Orgel in der Christuskirche, an der Sandtner-Orgel in St. Ulrich in Rheinstetten-Mörsch, das anstelle einer Späth-Orgel (hatten wir in Salmünster ja auch!) in den 80er Jahren aufgebaut worden war, oder an der Orgel der Providenzkirche in Heidelberg, einem Instrument, das im Jahr 1986 von Gebr. Link grundlegend restauriert worden war und auf eine historische Orgel aus dem Jahr 1885 von Mathias Burkard zurückgeht.

Wie schafft man es nun angesichts der vielen Eindrücke und der Möglichkeiten, die sich auftun, trotzdem, sich zu entscheiden? Dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag …

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