Allgemein

Das Festjahr 1995 steht ins Haus

– Vorträge, Konzerte und ein Barockmarkt –

Das Jahr 1995 ist nicht nur das Weihejahr der Jann-Orgel in St. Peter und Paul. Das Hauptereignis an sich war das 250-jährige Weihejubiläum der Pfarr- und Klosterkirche St. Peter und Paul, die nun im laufenden Jahr 2020 das Alter von 275 Jahren erreicht. Aus Anlass des 250-sten Kirchenjubiläums fanden eine ganze Reihe von Veranstaltungen statt, zu denen Vorträge über die Zeit des Barock, Konzerte ohne und mit der neuen Orgel und sogar ein Barockmarkt im ganzen Stadtteil Salmünster gehörten. Auch die Passionsspieler trugen mit einer Aufführung der „Salmünsterer Passion“ zum Jubiläumsjahr bei.

Nach zwei Jahren Vorbereitung hatten die Franziskaner im Jahr 1737 mit dem Bau einer neuen Kloster- und Pfarrkirche nach Plänen des Fuldaer Hofarchitekten Andrea Gallasini begonnen. Die Bauarbeiten einschließlich der Innenausstattung der Kirche zogen sich bis 1745 hin, da immer nur gebaut wurde, wenn genügend Spendengeld vorhanden war. Wie schon berichtet, gehörte zu dieser Innenausstattung auch die erste Kirchenorgel in St. Peter und Paul von Bartel Brünner. Nachdem das Kirchengebäude 1743 vom Guardian des Franziskanerklosters benediziert worden war, konsekrierte der Fuldaer Fürstabt Amand von Buseck am 19. Oktober 1745 die Kirche einschließlich der zu großen Teilen von kunstfertigen Franziskanerbrüdern geschaffenen Altäre. Das Wappen Amands von Buseck ist im Hochaltar von St. Peter und Paul, den er gestiftet hat, bis heute zu sehen. Viele weitere Erläuterungen zum Kirchenbau und den darin vorhandenen Kunstwerke finden sich heute zum Nachlesen praktisch zusammengefasst im Kirchenführer von St. Peter und Paul mit Texten unseres Pfarrers Dr. Michael Müller. Den 250-sten Jahrtag der Konsekrierung der Kirche galt es im Jahr 1995 zu feiern.

In mehreren Vorträgen einer „Erwachsenenbildungsreihe“ vergegenwärtigten Experten verschiedener Fachrichtungen Leben, Weltbild, Denken, Kunst und Musik des Barock. Der Frankfuter Oberstudiendirektor und Historiker Alfred Hansmann stellte unter dem Titel „Kirchenfürsten – Bürger – Bauern“ Leben und Gesellschaft im Kinzigtal in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit sozialen und wirtschaftlichen Aspekten lebendig dar. Der Leiter des Fuldaer Vonderau-Museums, Dr. Gregor Stasch, erläuterte im zweiten Vortrag die Kunst des Barock anhand der in St. Peter und Paul vorhandenen Kunstwerke, besonders der „Altarblätter“, der von den Fuldaer Malern Emanuel Wohlhaupter und Johann Andreas Herrlein, seinem Schwiegersohn und Werkstattnachfolger, geschaffenen Altarbilder. Unterstützt wurde Stasch dabei von Otto Hansmann, der diese Kunst dabei in Dias vor Augen führte. Ein weiterer Vortrag des Fuldaer Kirchenhistorikers Prof. Dr. Werner Kathrein behandelte „Die kirchliche Erneuerung im Zeitalter des Barock“, wie sie nach den Schrecken des 30-jährigen Krieges stattfand. Die Reihe schloss mit einem Vortrag unseres Regionalkantors Thomas Wiegelmann, in dem er – unterstützt von seiner Frau Maria-Elisabeth Heisler-Wiegelmann – die Gestaltung von „Musik und Raum“ im Barock in Zusammenhang brachte. Er thematisierte mit Hörbeispielen und kurzen Musikvorträgen auch die von Komponisten durchweg verwendete Technik der „Parodie“, der Wiederverwendung von Musikstücken mit anderen Textunterlegungen, und den im Barock verwendeten „symbolischen“ Kompositionsstil, der beispielsweise feste Figuren für die Darstellung von Emotionen oder Instrumente immer wieder in bestimmten Bedeutungszusammenhängen einsetzte.

Eugen Heisler, Vorstandsmitglied des Heimat- und Geschichtsvereins, fasste in einem weiteren Vortrag kirchliche, politisch-historische und kunstgeschichtliche Aspekte anhand des Kirchenbaus von St. Peter und Paul zusammen.

So vorbereitet konnten wir das Jubiläumsjahr aufgeklärt begehen … mit zahlreichen Konzerten, dem Barockmarkt und eben Einbau und Weihe der neuen Orgel.

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