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Blicke über den Tellerrand

– Orgelprojekte in der Umgebung –

Für eine Gemeinde ist ein Orgelneubau ein sehr singuläres Projekt. Wenn eine Orgel handwerklich gut gebaut ist (so wie unsere Jann-Orgel), kann man mit einer Nutzungsdauer von 200 Jahren rechnen, bei ordentlicher Pflege gern länger. Bei einer normalen Kirchengröße, d. h. es handelt sich nicht gerade um eine Domkirche, ist eine große oder größere Orgel für den Kirchenraum notwendig. Hinzu kommt eventuell noch ein kleines, bewegliches Instrument für Zwecke wie Chorbegleitung, wenn die räumlichen Gegebenheiten das nahelegen. Damit sieht man sich in einer Gemeinde mit der Herausforderung eines kompletten Neubaus oder einer Neubeschaffung einer Orgel im Schnitt nur alle etwa 150 Jahre konfrontiert, wiegesagt, wenn handwerklich alles solide ist. Da Orgeln sehr weitgehend aus natürlichen Materialien wie Holz und wiederverwendbaren wie Stahl und den Orgelmetallen Zinn, Zink, Blei und Kupfer bestehen, ist das Ganze übrigens auch eine recht nachhaltige Sache.

Das bedeutet, dass man für ein solches Projekt nicht einfach auf eigene Erfahrung zurückgreifen kann, weil man so etwas schon alle paar Jahre gemacht hat. Der Blick über den Tellerrand ist nicht nur zu empfehlen, sondern notwendig, wenn ein Orgelprojekt verantwortungsvoll durchgeführt werden soll.

So kann man Erfahrungen von Projekten mitnehmen, die irgendwo im Umkreis vor nicht allzu langer Zeit stattgefunden haben, manchmal auch bei Leuchtturmprojekten, die darüber hinaus ausstrahlen. Das haben wir damals auch getan und uns umgeschaut, was gerade an Orgelneubauten läuft oder gelaufen ist, um Kontakte zu knüpfen und Inspiration und wertvolle Hinweise für das eigene Vorgehen zu gewinnen.

Ein Projekt, das in unmittelbarer Nachbarschaft lief, war der Orgelneubau in der Bad Orber Kirche St. Martin nach dem verheerenden Brand in der Weihnacht 1983, bei dem die Innenausstattung der Kirche ziemlich komplett zerstört wurde. Nachdem schon 1985 der neu gestaltete Kirchenraum wieder eingeweiht worden war, konnte zwei Jahre später eine neu gebaute Orgel in Dienst genommen werden. Die Bad Orber feuten sich auf den Klang des Instrumentes, das die Orgelbauwerkstatt Johannes Klais aus Bonn erstellt hatte, ein damals wie heute renommiertes Orgelbauunternehmen.

Während in Bad Orb das Mega-Projekt der Wiederherstellung und Neugestaltung des gesamten Kirchenraumes die Aufmerksamkeit auf sich zog und der Orgelbau in der allgemeinen Wahrnehmen fast zweitrangig war, stand das Thema Orgel in Mariae Namen in Hanau ganz oben. Hier war der Plan von Regionalkantor Raimund Murch, eine Orgel ganz im französischen Stil zu bauen. Er setzte das zusammen mit der Traditionsorgelbauwerkstatt Oberlinger aus Windsheim um, und es entstand eine große sinfonisch-romantische Orgel nach Vorbildern des berühmten Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll. Cavaillé-Coll hat zahlreiche berühmte Orgeln in und um Paris geschaffen, darunter die in Notre-Dame, und so hat eines der ersten Konzerte nach der Weihe der damals noch recht junge Notre-Dame-Organist Olivier Latry gegeben.

Eine größere Sanierung einer Orgel ereignete sich in Ulmbach, der Fuldaer Orgelbaumeister Klaus Gabriel renovierte hier die historische Oestreich-Orgel, die im Jahr 1989 bereits 151 Jahre alt war. Im Vergleich zu einem Neubau ein bescheideneres Projekt, das aber wegen der Denkmalwürdigkeit der Orgel vom Land Hessen finanziell gefördert werden konnte. Mit unseren Neubaubestrebungen blieb uns diese Finanzierungsform leider versagt.

Ulmbach
Sanierung der historischen Adam-Josef-Oestreich-Orgel in Ulmbach im Jahr 1989

Die Kontakte zu Mitwirkenden bei diesen Projekten halfen uns, so waren Klaus Gabriel und Raimund Murch und Orber Musiker auch zu Beratungsterminen bei uns in Salmünster. Und diese Projekte motivierten uns, wir haben gesehen: Es geht, wir können es schaffen!

3 Gedanken zu „Blicke über den Tellerrand“

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