Allgemein

Lobpreis der Jann-Orgel

– warum mir (und vielen anderen) die Orgel in St. Peter und Paul gefällt –

Wie ist das Ergebnis des Orgelprojektes zu bewerten, haben sich alle Mühen und der ganze Aufwand gelohnt?

Zu dieser Frage kann man eine Antwort nicht „beweisen“. Es gibt die Ansicht, dass sich eine Orgel nie lohnt und man das Geld besser für andere Zwecke ausgeben sollte. Eine mögliche Entgegnung darauf gibt Pater Matthias in seinem Vorwort zur Orgelfestschrift, im Blogbeitrag zur Orgelweihe kann man es nochmal nachlesen. Aber wer der Orgelbautradition und der Orgelmusik nichts abgewinnen kann, mag sie aus seiner Perspektive zurecht vertreten.

Wer aber akzeptiert oder sogar befürwortet, dass Orgeln ein lohnender Gegenstand für Liturgie und Kultur sind, wird zu der Ansicht gelangen, dass mit der Jann-Orgel in St. Peter und Paul ein besonders gutes Exemplar dieser Gattung entstanden ist. Die Firma Jann befand sich zur Bauzeit auf einem Höhepunkt ihrer Firmengeschichte und hatte gerade noch wesentlich anspruchsvollere Projekte in Bamberg und München vollendet. Die von Dr. Preusler angestoßene Ausschreibung der äußeren Gestaltung der Orgel hatte für einen Wettbewerb von Könnern gesorgt, in dem sich ein hervorragender Entwurf durchsetzte. Schließlich hat die Entscheidung des Preisgerichts und des Verwaltungsrates der Pfarrgemeinde für die von Jann vorgeschlagene Disposition der Orgel nach barockem Klangbild dafür gesorgt, dass die Orgel Charakter hat, sich von dem, was allgemein so gebaut wird, abhebt und daraus heraushebt. Die Erfahrung von Jann mit diesem Klangbild hat dafür gesorgt, dass die Register und Pfeifen hervorragend zusammengestellt, gebaut und intoniert sind.

Das schönste Instrument zwischen Fulda und Hanau.
(Ottmar Reck)

So hat sie denn auch mein Orgellehrer Ottmar Reck, der selbst zusammen mit der Fa. Hey in der katholischen Kirche in Schlüchtern eine bemerkenswerte Orgel gebaut hat, als schönstes Instrument zwischen Fulda und Hanau bezeichnet. Und ich denke, wenn die Orgeln in Hanau und Fulda sich nicht auf einer anderen Größenskala bewegten, ließe sich das noch erweitern und hat bis heute Gültigkeit … zugegeben, in diesen letzten Sätzen mag die Begeisterung ein wenig mit mir durchgegangen sein, schließlich ist jeder Organist ein besonderer Fan „seines“ Instrumentes. Der Unterschied ist, dass das im Falle der Jann-Orgel nur allzu berechtigt ist ;-).

Weil es ja in diesem Blog auch hin und wieder etwas zu hören geben soll, möchte ich als Beleg für den herausragenden Klang hier eine kurze Aufnahme von Nicolaus Bruhns‘ Kleinem Präludium e-moll, gespielt auf der Jann-Orgel in St. Peter und Paul, zum Besten geben:

Wer es ohne Bild bevorzugt, klickt hier:

 

Das Stück ist in der Kirche mit einem Mikrofon mit Kugelcharakteristik aufgenommen worden, sodass man auch den Klang des Raumes hört. Natürlich ist der Eindruck eines Internet-Filmchens dennoch mit dem Klangerlebnis in der Kirche nicht zu vergleichen, das ist klar.

Was ist da genau zu hören? Das Präludium, das eigentlich ein Präludium mit Fuge ist, lässt die folgenden Abschnitte mit wechselnden Registrierungen zu:

0:00 bis 0:45: Prinzipalpleno des Hauptwerks mit Mixturen, gekoppelt ans Pedal, zusätzlich ist im Pedal die Posaune 8′ gezogen.

0:46 bis 1:37: Die Flöten 8′, 4′ und 1 1/3′ des Rückpositiv (I. unteres Manual) werden den Flöten 8′ und 2′ und der Viola 4′ des Echowerks (III. oberstes Manual) gegenübergestellt.

Nach einem kurzen Pleno-Teil folgt dann

2:04 bis 3:12: In der Fuge wird das Prinzipalpleno des Hauptwerks ohne Mixturen den eben beschriebenen Flöten des Rückpositivs und des Echowerks gegenübergestellt.

Nach einem weiteren kurzen Pleno-Teil folgt

3:32 bis 4:01: Jetzt ist das Prinzipalpleno mit Mixtur des Rückpositv kontrastierend zum Prinzipalpleno des Hauptwerks, das ans Pedal gekoppelt ist, zu hören.

Am Schluss werden noch die Trompete 8′ des Hauptwerks und in den allerletzten Takten die Bombarde 16′ des Pedals und alle Koppeln gezogen, sodass fast das volle Mixturen- und Zungenpleno der Orgel erklingt.

Damit hat man einigen typischen Klang der Orgel gehört, zumindest in einer Qualität, wie sie das Internet zulässt.

Wer noch viele der Klangmöglichkeiten mehr und live erleben möchte, ist herzlich eingeladen zum Orgelkonzert in St. Peter und Paul am Pfingstsonntag, dem 31. Mai 2020 um 17 Uhr. Da werde ich das Klangspektrum der Orgel beispielhaft an barocken und auch einigen romatischen und modernen Stücken aufzeigen. Karten gibt es kostenfrei auf dem Pfarramt von St. Peter und Paul in Bad Soden-Salmünster.

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