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Im Anfang war das Wort …

– Überzeugungsarbeit für eine Orgel –

Mit ihrem Brief hatte Christa Noll uns zum Nachdenken und den Stein bei einigen wieder ins Rollen gebracht, aber längst nicht bei allen … es galt noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, vor und hinter den Kulissen. Für die Öffentlichkeit in der Kirchengemeinde gab es seit Mitte der 80-er Jahre die  Gemeindezeitung „St. Peter + Paul aktuell“, die in freier Folge die Serie der Pfarrblätter durch ausführlichere Berichte und Beiträge ergänzte. Dort, so hatten wir uns vorgenommen, sollten Artikel erscheinen, die allen Gemeindemitgliedern das Thema eines Orgelneubaus nahebringen sollten.

So durfte ich in der Ausgabe 1985/1 den Reigen eröffnen mit einer Bestandsaufnahme der alten Orgel. Schon im Jahr 1919 sei die pneumatische Traktur, also die Spielverbindung zwischen Tasten und Pfeifen mittels Druckluftröhren, eine fehleranfällige und pflegeintensive Konstruktion gewesen, die in ihrem heutigen Zustand dazu führe, dass Töne ungleichmäßig ansprechen und abklingen und oft hängenbleiben. Eine beachtliche Zahl von Registern, deren Auswahl ohnehin nicht optimal war, musste wegen dieser technischen Probleme bereits komplett stillgelegt werden. Das Pfeifenmaterial war wegen schlechter Wartung teils verbeult und unstimmbar geworden. So führte ich Mangel um Mangel auf und kam zu dem unweigerlichen Schluss, dass ein Neubau unumgänglich sei.

(Der Beitrag ist hier ohne Verfassernamen abgebildet, der ist aber aus dem Inhaltsverzeichnis der Zeitung erkennbar.)

Die Resonanz war bei denen, die sich interessierten, geteilt. Auch wenn ich, wie ich fand, die Mängel schonungslos dargelegt hatte und die Konsequenz unausweichlich war, wollten sich dem nicht alle ohne Weiteres anschließen. Es gab schließlich auch Gegengründe, angefangen von Relativierungen der Darlegung bis zur Einschätzung, dass ein Orgelneubau nicht finanzierbar sein werde.

Um die Diskussion weiter in die Breite zu treiben und die Gegenargumente aufzunehmen, adaptierte – so will ich es einmal nennen – mein Vater, der damals Mitglied im Pfarrgemeinderat und später Verwaltungsrat war, einen auch für damalige Verhältnisse provokanten Aufsatz des Mainzer Theologen und Kirchenmusikers Prof. Dr. Manfred Mezger auf unsere Verhältnisse und veröffentlichte ihn in der nächsten Ausgabe St. Peter+Paul aktuell 1985/2:

Die Diktion wäre in Zeiten gebotener politischer Korrektheit wohl untragbar gewesen, besitzt aber zweifelsohne Unterhaltungswert und löste wie beabsichtigt eine breitere Diskussion aus, natürlich auch über den Stil der Polemik.

Unverdrossen legten wir in der nächsten Ausgabe St. Peter+Paul 1986/1 noch einmal nach. Diesmal veröffentlichte Maria-Elisabeth Heisler einen Aufsatz mit fundierten Darlegungen zu Bedeutung und Wert der Kirchenmusik unter besonderer Berücksichtigung der Orgel:

… und mein Vater führte die Argumentation von Manfred Mezger noch ein wenig weiter:

So kam die Diskussion in der Öffentlichkeit in Gang, und die ersten unterstützenden Aktivitäten bis hin zu ersten Spenden für das Projekt sind in den Artikeln am Rande auch schon erkennbar. Das zeigt, dass sich die Diskussion doch schon zum Teil in die von uns beabsichtigte Richtung entwickelte. Von den Unterstützungsaktivitäten wird in folgenden Blogbeiträgen einiges zu erzählen sein.

Die hier einzeln dargestellten Artikel hat Wolfgang B. Moritz in redigierter Form und versehen mit einem Vorwort von Pater Matthias und einem Spendenaufruf nebst -formular zu einer Broschüre „Eine neue Orgel für St. Peter und Paul Salmünster“ zusammengestellt, sodass wir mit Argumentations- und Werbematerial für das Projekt gerüstet waren.

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Das Organistenteam durch die Zeiten

– Einzelkämpfer und Teamplayer –

Wer waren und sind die Menschen, die mit diesem Instrument, dessen Entstehung der letzte Beitrag aufgezeigt hat, zurechtkommen mussten? Dieser Orgel, deren Prospekt nur aus einem Schwellkasten auf der zweiten Empore der Kirche bestand und dessen Pfeifenwerk dahinter sehr weit zurückgesetzt in einer Turmnische aufgestellt war, sodass im Kirchenraum nur wenig Klangentwicklung möglich war? Und deren technische Mängel sich mit der Zeit mehr und mehr offenbarten?

Meine Erinnerung reicht indirekt zurück bis zu August Schlitt, einem Organisten „alter Schule“ im Wortsinne. Er vereinte noch in alter Tradition den Lehrerberuf an der Salmünsterer Schule mit dem Organistenamt, und für letzteres war er fast vollständig allein zuständig. Das bedeutete, dass er sonntags vormittags drei Messen um 7 Uhr, 8.30 Uhr und das Hochamt um 10 Uhr auf der Orgel begleitete und an Werktagen vor dem Beginn seines Schuldienstes schon die Frühmesse in der Kirche gespielt hatte, und das über viele Jahre. Meine Erinnerungen sind indirekt, da ich ihn nicht mehr selbst gekannt habe. Er hat aber u. a. noch die Hochzeitsmesse meiner Eltern in Lettgenbrunn gespielt und war der Klassenlehrer meines Vaters gewesen. In natürlicher Verbindung zwischen Lehr- und Organistenamt wies August Schlitt, der von seinen Schülern genauso wie von seiner Enkelin „Opi“ genannt wurde, diese zuweilen an, ihm als menschliche Stimmdrücker bei der Instrumentenpflege behilflich zu sein. Mein Vater hat so als Kind ab und zu die Tasten am Spieltisch der Orgel niedergedrückt, wenn August Schlitt das Orgelwerk durchstimmte. Als Messdiener musste mein Vater bisweilen den Kalkantendienst wahrnehmen, d. h. die Bälge der Orgel im Gottesdienst zur Erzeugung des Spielwindes treten, denn einen Orgelmotor gab es erst später. Wie allerorten üblich, so erzählt er, haben auch in Salmünster die Messdiener den Organisten dann und wann geärgert, indem sie den Balg zu langsam traten, sodass sich der Orgelton zu einem Heulen verzerrte, beteuert aber, an solchen Streichen nie beteiligt gewesen zu sein.

Wenn August Schlitt den Orgeldienst in ganz seltenen Fällen wirklich einmal nicht ausüben konnte, half damals schon Felicitas Stierstorfer aus. Genau wie in der familieneigenen Apotheke verrichtete sie auch an der Orgel ihren Dienst ruhig und ohne viel Aufhebens, aber äußerst gekonnt und professionell.

Dann gehörte auch Amtsgerichtsrat Dr. Wilhelm Becker zu den Organisten. Er wohnte als Leiter des ehemaligen Amtsgerichts Salmünster in der Dienstwohnung im Amtshof, und dort stand neben einer zweimanualigen Zungenorgel mit vollem Pedal auch ein sehr schöner Flügel, auf dem er gern zur von der Schallplatte wiedergegebenen Orchesterbegleitung Klavierkonzerte spielte. Dr. Becker war der erste, bei dem ich mich noch als Klavierschüler nach dem Gottesdienst auf die Orgelbank setzte und mal das Spielgefühl auf der Orgel ausprobierte.

Ludwig Korn war ein Organist von großer natürlicher Musikalität, was ihm im Gottesdienst bei Improvisation und Liedbegleitung enorme Flexibilität verlieh. Keine Situation brachte ihn in Verlegenheit, ein Zwischen- oder Vorspiel mochte so lang oder kurz notwendig sein, wie es wollte. Er hatte ein tolles Gefühl für Stimmungen und konnte, besonders im Team mit Pater „Pastor“ Bernward Ziwes, eine Gemeinde richtig emotional „rocken“. Ludwig Korn leitete zu seiner Zeit den Kirchenchor und begleitete ihn oft selbst an der Orgel. Auch von Ludwig Korn ist die eine oder andere Anekdote überliefert. Als Tanz- und Unterhaltungsmusiker waren ihm alle Fastnachtshits geläufig, und so führten am Faschingssonntag eines Jahres mein Vater und sein Freund Alfred Mathes vor dem Hochamt mit ihm die unvermeidliche Diskussion, ob er nicht zum Einzug den Narhalla-Marsch spielen könne. Nach anfänglichem striktem Weigern müssen ihm die beiden mit ihren kleinen Provokationen so zugesetzt haben, dass er schließlich wild entschlossen war und die Katastrophe nur dadurch verhindert werden konnte, dass Alfred Mathes beim Glockenzeichen zu Beginn des Gottesdienstes schnell den Strom an der Orgel ausschaltete. Ludwig Thoma lässt grüßen.

Mit Christa Noll, die leider vor zweieinhalb Jahren schon verstarb, kommen wir zu den bis in die jüngste Zeit aktiven Organistinnen und Organisten. Ihre Verdienste um das Projekt der neuen Jann-Orgel habe ich schon erwähnt, und darüber hinaus ist Christa Noll die erste Lehrerin an der Orgel für einige heutige aktive und professionelle (Kirchen-)Musiker gewesen, nämlich für Stefan Poppe, Andreas Rink und Alexander Zahn. Sie, die zu keiner Arbeitsstelle pendelte, hat Orgeldienste bei Werktagsgottesdiensten oder Beerdigungen zu allen Zeiten stets ermöglicht und in ungezählter Menge wahrgenommen. Ihr persönliches Steckenpferd waren die Orgeldienste in Alsberg, die sie zu ihrer Zeit quasi exklusiv durchgeführt hat.

Alle folgenden Organistinnen und Organisten in St. Peter und Paul sind heute weiterhin aktive Musikerinnen und Musiker. Dr. Maria-Elisabeth Heisler-Wiegelmann hat die Orgel bereits zuzeiten von Felicitas Stierstorfer und Dr. Wilhelm Becker gespielt, Musikwissenschaft studiert, ist heute als Musiklehrerin tätig und hat ihren kirchenmusikalischen Tätigkeitsschwerpunkt nach Bad Orb, dem Dienstsitz ihres Mannes, unseres Regionalkantors Thomas Wiegelmann, verlegt. Ebenso als Musiklehrer und Chorleiter im kirchlichen oder weltlichen Bereich tätig sind Dr. Andreas Rink (ebenfalls Musikwissenschaftler), Stefan Poppe und Alexander Zahn. Alle drei haben das Orgelspiel im Rahmen ihrer Hochschulausbildung professionalisiert. Natürlich ist Norbert Ross zu nennen, der seit inzwischen über dreißig Jahren auch unseren Kirchenchor mit viel Engagement leitet. Bei der Gestaltung vieler festlicher Gottesdienste mit dem Chor und Orchestermusikern und Organisten ist über die Musikalität hinaus immer wieder auch sein organisatorisches Geschick gefordert. Und schließlich ist Olivia Kirchner zu erwähnen, die als frischgebackene Absolventin der nebenamtlichen Organistenausbildung ins Team einstieg und heute in Stuttgart Kirchenmusik studiert.

Mit Christa Noll, Stefan Poppe, Andreas Rink, Norbert Ross, Alexander Zahn und mir waren wir das Organistenteam, das die ersten Dienste auf der neuen Jann-Orgel tätigte. Zusammen haben wir auch einige „Orgelkonzerte heimischer Organisten“ gegeben, das erste Programm aus dem Jubiläumsjahr 1995 ist hier zu sehen:

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Die Vorgängerinnen der Jann-Orgel

– Genügt ein Bretterverschlag als Orgelprospekt? –

Interessiert hat mich schon als Vorschulkind, woher eigentich die Musik im Gottesdienst kam. Wenn ich während der Messe nach hinten oben in die Richtung, aus der der Klang kam, schaute – und das zog damals in aller Regel strenge Blicke der Umsitzenden, vielleicht im Nachhinein sogar eine zurechtweisende Bemerkung nach sich – war oben auf der zweiten Empore nur eine Art Bretterverschlag zu sehen. Dazu erklärte mir mein Vater ernsthaft, dass das die Orgel sei, die eben diesen Klang produziere. Zu sehen war, dass sich die Schwelljalousien, die diesen Anblick ausmachten, zu Beginn jedes Liedes oder Orgelstückes öffneten und danach wieder schlossen, mehr nicht. Ab und zu gingen wir direkt nach dem Gottesdienst auf mein Fragen noch nach oben auf die zweite Empore der Kirche, um aus nächster Nähe zu überprüfen, ob es mit den Erklärungen meines Vaters seine Richtigkeit hatte. Auch wenn dann der diensthabende Organist oder die Organistin alles bestätigte, war das für mich als Kind doch erstaunlich bis enttäuschend, dass ein solcher Bretterverschlag Musik von sich geben kann – oder darf. Pfeifen konnte man wirklich nur undeutlich irgendwo im Dunkeln erkennen, wenn man oben auf der Empore stand und der Bretterverschlag per Schwelltritt an der Orgel geöffnet wurde. Immerhin war da noch dieser Spieltisch mit den vielen Tasten und Schaltern, dem Schwelltritt und einem Register-Crescendo, also einer Vorrichtung, mit der man per Fußtritt oder Handhebel alle Register nach und nach quasi halbautomatisch hinzuziehen oder wieder abstoßen konnte.

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Orgel oder nur Dunkelheit hinter einem Bretterverschlag? Foto: Otto Hansmann

Dieses Orgelwerk, das ich als Kind kennenlernte und auf dem ich später meine ersten Übungen praktizieren sollte, war im Jahr 1919 durch die Orgelbaufirma Gebrüder Späth aus Ennetach auf der zweiten Empore der Kirche errichtet worden. Im Jahr 1968 wurde es von Pater Lambert Hartweck noch einmal umgebaut, so sagen es die Quellen von Gottfried Rehm, zu denen neben der gestern genannten Monografie besonders noch ein Artikel in den Buchenblättern vom 30. November 1982 zählt. Die Kirchenorgel von 1919 war das zweite Instrument, von dem gesichert ist, dass es an dieser Stelle stand. Zuvor war auf der Empore im Jahr 1745, dem Jahr der Fertigstellung  des aktuellen Kirchenbaus, von Bartel Brünner aus Würzburg eine Orgel mit 17 Registern erbaut worden. Welche das waren, ist nicht bekannt, und auch vom Prospekt dieses Instrumentes ist nichts erhalten bis auf zwei barocke Ornamente, die als Ohren bezeichnet wurden und an dem Neubau aus dem Jahr 1919 seitlich wieder angebracht wurden. Auf älteren Bildern sind sie noch zu sehen, beispielsweise auf dem, das in dem Kalender mit historischen Fotografien der Kirche für das laufende Jahr 2020 enthalten ist (und den man in der Kirche noch erhalten kann).

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Prospekt der Kirchenorgel von 1919 mit barocken Ornamenten von Bartel Brünner

Ob in einem Kirchenbau vor 1745 auf einer Empore eine Orgel stand, ist nicht sicher bekannt. Das Instrument von 1670, von dem im gestrigen Beitrag die Rede war, ist wohl eher dem Bereich des Chorraumes zuzuordnen. Noch früher ist im Jahr 1634 vom Bau einer „hölzernen Orgel“ „bestehend aus einem Posaunenwerk aus Holtz“ mit sechs Registern durch den Orgelbauer Jörg Kaiser aus Aschaffenburg die Rede. Sie soll „auf der Bühne“ der damaligen Kirche errichtet worden sein. Vielleicht ist mit „Bühne“ eine in der damaligen alten Stiftskirche vorhandene Orgelempore gemeint. Möglicherweise handelte es sich wie auch bei einem 1511 erwähnten Instrument um ein Positiv,  also eine kleinere und eventuell leicht versetzbare Orgel.

So war also die Entstehungsgeschichte der Vorgängerin der Jann-Orgel. Im nächsten Blog werden wir erfahren, wer außer Christa Noll, die ich als Organistin schon erwähnt habe, noch alles mit ihr zurechtkommen musste und welche Erfahrungen wir dabei machten.

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Die Chororgel in St. Peter und Paul

– Warum sind in St. Peter und Paul Orgelpfeifen oberhalb des Altares zu sehen? –

Wenn man den Kirchenraum von St. Peter und Paul vom Haupteingang her betritt, schaut man nach vorn, zum Hauptaltar. Die Linienführung in der Kirche läuft auf ihn zu, und so wird der Blick unweigerlich auf dieses Zentrum gezogen. Besonders als Kirchenmusiker nimmt man daher beim Betreten der Kirche sofort die Orgelpfeifen im oberen Teil des Altars, dem Altarauszug, wahr. Die Orgel auf den Emporen sieht man zunächst gar nicht, denn da steht man ja noch darunter. Bei manchen Kirchenbesuchern entsteht daher der erste Eindruck, die Kirche besitze eine Altarorgel, also eine in den Hauptaltar integrierte Orgel, die für die Gemeindebegleitung verwendet werde. Erst beim weiteren Begehen der Kirche und beim Sichumsehen kommt die Orgel auf den rückwärtigen Emporen in den Blick. Dann wird allerdings aufgrund der heutigen Größenverhältnisse sofort klar, dass das Orgelwerk auf den Emporen mindestens die Hauptorgel sein muss, selbst wenn die Pfeifen im Altarauszug noch eine musikalische Funktion besitzen. Oft entsteht dann genau die Frage, ob diese Pfeifen im Hauptaltar erklingen und von der Orgel auf den Emporen mit angespielt werden können. Das ist leider nicht der Fall, die Orgelpfeifen des Altars können heute überhaupt nicht mehr zum Erklingen gebracht werden, denn das zugehörige Orgelwerk wurde schon im Jahr 1905 ausgebaut und der Prospekt dadurch stillgelegt.

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Prospekt der ehemaligen Chororgel im Auszug des Hochaltars in St. Peter und Paul

Hier wird klar, dass es in St. Peter und Paul über längere Zeit zwei Standorte für Orgeln gegeben hat. Neben der für den Gesang und die Kirchenmusik der Gemeinde benutzten Kirchenorgel auf den rückwärtigen Emporen gab es den Standort im Bereich des Hochaltares bzw. des dahinter befindlichen Chorraumes. Dieser Raum wurde vom Klosterkonvent der Franziskaner für den Choral verwendet. Zweifelsfrei diesem Standort zugeordnet werden kann ein Orgelneubau durch den Franziskaner Adam Oehninger im Jahr 1701, also bereits vor Errichtung des aktuellen Kirchenbaus in den Jahren 1737 bis 1745. Diese Orgel besaß acht Register, darunter einen „doppelten Subbaß“ und wurde von Oehninger „vor Köstigung gratis ohne entgeltung“ erbaut. Dieses Instrument wurde in der Folge sowohl vom Klosterkonvent „zum choral“ als auch von der Gemeinde „zu der music“ genutzt. Für diesen Orgelneubau wurden zum Teil Pfeifen eines Vorgängerinstumentes, das 1670 entstanden war und möglicherweise bereits im Bereich des heutigen Altares und Chorraumes aufgestellt war, verwendet. Jedenfalls aber stammt vom Orgelneubau aus dem Jahr 1701 der Prospekt, der heute im Altarauszug zu sehen ist. Im Jahr 1744, also im Zuge des Kirchenneubaus, wurde nämlich diese Chororgel durch Johann Philipp Seufert aus Würzburg um zwei Register erweitert und der Prospekt in den Hochaltar eingebaut. Dort ist er mit seinem Mittelturm, zwei Flachfeldern und zwei Spitztürmen heute noch zu sehen.

Der Spieltisch dieser Chororgel befand sich im Chorraum. Im Jahr 1905 erfolgte dann ein Neubau der Chororgel durch Balthasar Schlimbach aus Würzburg, wobei das Orgelwerk nun komplett im Chorraum aufgestellt wurde. Somit blieb ab diesem Zeitpunkt der Prospekt im Hochaltar stumm. Im Jahr 1916 wurde diese Chororgel durch die Orgelbaufirma Gebrüder Späth aus Ennetach erweitert und im Jahr 1968 nochmals durch Pater Lambert Hertweck umgebaut. Im Zuge von Umbaumaßnahmen im Franziskanerkloster in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde sie schließlich stillgelegt und abgebaut. Den Spieltisch der Chororgel kann man heute im Heimatmuseum des Heimat- und Geschichtsvereins in der Hirtengasse 5 in Salmünster besichtigen – wenigstens sobald es wieder öffnen darf, was derzeit die Corona-Maßnahmen verhindern.

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Spieltisch der Chororgel im Heimatmuseum

Im morgigen Blog-Beitrag wird es dann um den zweiten Orgelstandort in St. Peter und Paul gehen, die rückwärtige Empore … und damit endgültig zum eigentlichen Gegenstand unseres Interesses.

Quelle für historische Informationen zu den Orgeln in St. Peter und Paul sowie vieler weiterer Orgeln im Umkreis sind die Monografie „Die Orgeln des ehemaligen Kreises Schlüchtern“ aus dem Jahr 1975 von Gottfried Rehm, der Professor für Musikpädagogik an der Fachhochschule Fulda war, und weitere Publikationen dieses Autors.

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Titel der Monografie von Gottfried Rehm aus dem Jahr 1975

 

 

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Orgelvokabular

– wie man alle Register zieht und mit dem Pedal einen Prospekt zum Klingen bringt –

Bevor wir tiefer in die Geschichte und Vorgeschichte der alten Orgel in St. Peter und Paul einsteigen, möchte ich einige Sätze zum Orgelvokabular schreiben und ein paar Quellen im Internet nennen, die Unterstützung dazu bieten.

Wie jedes Fachgebiet besitzt auch der Orgelbau eine eigene Fachsprache. Manche Begriffe gibt es nur hier; andere kennt man zwar, sie haben aber im Orgelbau eine spezielle oder sogar eine abweichende Bedeutung. Besonders der letzte Fall sorgt dafür, dass eine Fachsprache im ersten Moment unverständlich wirkt und zum „Fachchinesisch“ wird. Als Beispiele können die Begriffe „Prospekt“ und „Pedal“ herhalten, die ich im letzten Blogbeitrag verwendet habe. Unter einem Prospekt wird man sich im Alltag eine bebilderte Werbeschrift für Produkte vorstellen dürfen. Man darf im Alltag „der Prospekt“ oder „das Prospekt“ sagen, hierzulande ist letzteres wohl gebräuchlicher. Im Orgelbau sagt man immer „der Prospekt“, und mit einem Orgelprospekt ist keineswegs eine Werbepublikation eines Orgelbauers gemeint, sondern die Vorderansicht, das Erscheinungsbild der Orgel. In diesem Orgelblog sind schon zwei Prospekte zu sehen gewesen, in der Ankündigung des Blogs der Prospekt der Jann-Orgel in St. Peter und Paul und im gestrigen Blog der Prospekt der Orgel in der Steinauer Reinhardskirche. (Hier stammt übrigens das Orgelwerk aus dem Jahr 1966 und wurde von der Orgelbaufirma Stehle in einen schon seit 1730 vorhandenen Prospekt des Orgelbauers Johann Nikolaus Schäfer eingebaut.) Und weil wir uns als Orgelfans gern Orgelprospekte anschauen, gibt es nun noch Bilder der Prospekte der Mebold-Orgel in der Erlöserkirche und der Walcker-Orgel in der St. Laurentius-Kirche, beide in Bad Soden.

Natürlich hängen beide Verwendungen von „Prospekt“, die verbreitete und die orgelfachliche, zusammen. Es geht in jedem Fall um eine Ansicht, sei es die eines Produktes oder die einer Orgel. Wer aber die spezielle Verwendung des Wortes im Orgelbau nicht kennt, kann leicht auf eine falsche Fährte geraten.

Ein Pedal ist in jedem Fall eine Vorrichtung, die man mit den Füßen bedient. Hier besteht zwischen der alltäglichen und der orgelfachlichen Verwendung im Prinzip kein Unterschied. Dennoch mag man überrascht sein, dass die Vorrichtungen an einer Orgel, die einem Brems- oder Gaspedal eines Autos am meisten ähneln und dazu dienen, die Schwelljalousien einer Orgel zu öffnen und zu schließen oder Spielhilfen darstellen, keineswegs als Pedale bezeichnet werden, sondern als Tritte. Das Pedal einer Orgel bezeichnet ausschließlich die Tastenreihe, die sich am Boden befindet und im Gegensatz zu den anderen, den „Manualen“, nicht mit den Händen, sondern mit den Füßen bedient wird.

Ein weites Feld an Namen und Begriffen stellen die Bezeichnungen der Orgelregister dar. Register nennt man im Orgelbau die verschiedenen Klangfarben einer Orgel, die jeweils durch eine Reihe von Pfeifen gleicher Bauart erzeugt werden. Unter den Namen der Orgelregister sind vom Instrumentenbau her vertraute Bezeichnungen wie Blockflöte oder Trompete, und diese klingen in etwa wie dem Namen nach zu erwarten. Es gibt allerdings Registerbenennungen wie Prinzipal, das für den typischen Orgelklang verantwortliche Hauptregister einer Orgel, ein Begriff, der kein anderes Instrument bezeichnet und der nur im Zusammenhang mit der Orgel verwendet wird. Ein besonders vertracktes Beispiel ist der Registername Kornett. Ein Kornett kann durchaus ein Register bezeichnen, das ähnlich dem gleichnamigen Blechblasinstrument klingt, meist ist aber eine besondere Art von Register gemeint, bei dem auf jeder Taste mehrere Töne gleichzeitg erklingen.

Diese Beispiele zeigen, dass es leider nicht völlig einfach ist, sich im Fachvokabular des Orgelbaus zurechtzufinden. Manche Begriffe wurden vor mehreren Jahrhunderten geprägt und sind heute nicht mehr intutiv klar. Um ein Register zum Klingen zu bringen, musste man früher in jedem Fall einen mechanischen Zug bedienen, man spricht daher davon, Register zu ziehen und wieder abzustoßen. Heutige Orgeln besitzen für diesen Zweck zum Teil elektrische Wippschalter, Taster oder Bedienmöglichkeiten über einen Touchscreen.

Dennoch krümmt sich mancher Orgelsprachpurist, wenn jemand sagt, dass er ein Register ein- oder ausschaltet. Ich finde, man sollte es nicht übertreiben. Es macht Spaß, in die Orgelsprachwelt einzutauchen, sie immer besser verstehen und gebrauchen zu lernen, aber letztlich ist entscheidend, dass es auch hier um Verständigung geht.

Um die Ausführungen im Orgelblog gut verstehen zu können, möchte ich euch einige Quellen im Internet nennen, in denen man Orgelvokabular nachschlagen kann und schnell Erklärungen findet:

Die Wikipedia bietet einen schönen Übersichtsartikel zur Orgel und ein ganzes Portal zur Orgel, in dem sich weitere Artikel finden – insbesondere ein extrem hilfreiches Orgelglossar mit kurzen Erklärungen von Orgelbegriffen und eine Liste von Orgelregistern, ebenfalls mit knappen Erklärungen.

Kleine Orgellexika findet man auf diversen Seiten von Orgelbauern oder Kirchenmusikern, als Beispiel seien das Orgellexikon der Fa. Werner Mann oder das des Orgelvereins in Rudolstadt genannt. Wer sich mit französischem oder englischem Orgelbau befasst, für den wird das dreisprachige Orgelwörterbuch nützlich sein, das sich auf den Seiten der Orgelbaufirma Walcker findet.

Schließlich habe ich hier nebenan auf der Webseite noch das Kleine Orgellexikon zur Verfügung gestellt, das ich damals für die Festschrift zur Einweihung der Jann-Orgel vor 25 Jahre zusammengestellt habe. In ihm sind unter anderem Erklärungen aller Registernamen enthalten, die die Jann-Orgel besitzt.

Begrifflich gut gerüstet können wir uns nun in den nächsten Blogs vornehmen, welche Orgeln mit welchen Prospekten, Registern oder Trakturen schon in unserer Pfarrkirche St. Peter und Paul standen und erklangen …

 

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Und so fing alles an …

 – Christa Noll schreibt einen Brief –

Die Ursprünge des Orgelprojektes in St. Peter und Paul reichen noch weiter als bis ins Jahr 1982 zurück, in dem meine Erinnerungen daran beginnen. Aus diesem Jahr datiert ein Brief … doch will ich zuvor noch berichten, wie es kam, dass mich dieser Brief im Jahr 1982 überhaupt interessiert hat.

Am Anfang war da der Wunsch, Klavier spielen zu lernen. Woher er kam, konnte ich nie sagen, ich habe ihn eines Tages im Alter von sieben Jahren zum Entsetzen meiner Eltern aus freien Stücken geäußert. Entsetzen deshalb, weil meine Eltern Musik zwar durchaus mochten, aber ein solches Instrument nicht besaßen und nie besessen haben …  ein Klavier ist ja nicht eben billig und war es schon gar nicht in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als es noch keine gesampelten Klänge auf Digitalpianos als kostengünstige Alternative zum „echten“ Klavier gab. Da das Kind beim besten Willen aber nicht davon zu überzeugen war, ein günstigeres Instrument wie beispielsweise Gitarre erlernen zu wollen, wurde der Burgfrieden ein knappes Jahr später mit dem Kauf einer der damals beliebten Heimorgeln (ein elektronisches Instument mit zwei Manualen und einem kleinen Stummelpedal) vorläufig wiederhergestellt. Darauf musste ich mich drei Jahre lang bewähren, bis dann schließlich doch ein Klavier der Marke „Schimmel“ zuhause Einzug hielt. Damit war ich eigentlich am Ziel angekommen. Mit 12 oder 13 Jahren, noch zu Zeiten von Pater „Pastor“ Bernward Ziwes, den dann 1982 Pater Matthias Kircher abgelöst hat, durfte ich auch von Thomas Weber die Begleitung des donnerstäglichen Kindergottesdienste übernehmen. Dafür stand in der Kirche eben genau eine Heimorgel bereit, und die Kinder sangen in diesen Gottesdiensten „Rhythmische Lieder“ – Spirituals mit ins Deutsche übertragenen Texten und Lieder aus den Anfangszeiten des Neuen Geistlichen Liedes. Für meinen ersten Lehrer, den damaligen Steinauer Kirchenmusiker Walter Rühl, war es jedoch gar keine Frage, dass eine Ausbildung im Spiel von Tasteninstrumenten zur Kirchenorgel hin führt. So bestellte er mich also, inzwischen 14-jährig, ab dem Jahr 1982 sonntags nachmittags zum Unterricht an die Orgel der Steinauer Reinhardskirche, zu der ich damals schon längs des Kinzigstausees natürlich mit dem Fahrrad gelangte. Wenn ich nicht beim Fahrradfahren getrödelt hatte, bekam ich noch mit, wie Harald Krähe, der meist vorher an der Orgel war, ein klangvolles Präludium oder Choralvorspiel übte – und danach durfte ich im Unterricht meine ersten Pedalübungen vorführen. Die Orgel der Reinhardskirche in Steinau ist also das Instrument, auf dem ich Orgel spielen gelernt habe, und später dann, als Ottmar Reck für ein Jahr mein Orgellehrer wurde, waren es die Orgeln in der Schlüchterner Klosteraula und der Schlüchterner St. Bonifatius-Kirche.

Natürlich hatte ich den beiden den Vorschlag unterbreitet, dass man den Unterricht ja auch mal an „unserer“ Orgel in St. Peter und Paul durchführen könne … und erntete dafür keine Begeisterung, im Gegenteil. Warum das so war, sollte ich mit der Zeit immer besser verstehen. Einen ersten Anstoß in diese Richtung gab mir ein Brief, den ene unserer Organistinnen, Christa Noll, im Jahr 1982 an den Verwaltungsrat richtete:

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Ein Brief von Christa Noll

Was war hier los? War dieses Instrument, auf dem ich als Orgelschüler brav meine Choräle und Fughetten übte, gar nicht so toll im Schuss? Natürlich hatte ich beim Üben auch schon den einen oder anderen „Heuler“ bemerkt, also immer wieder hängenbleibende Töne, oder dass die Töne ganz unterschiedlich auf den Tastendruck ansprachen, aber … hatte man einfach die Orgelpflege vernachlässigt, und nach einer gründlichen Überholung wäre alles wieder gut? Je mehr ich mich mit dem Thema dann beschäftigte, desto klarer konnten ich und andere erkennen, wie es um dieses Instrument stand.

Damit sind wir nun mitten im Thema, und an sich erscheint das als eine konsistenter Anfang des Orgelprojektes. Christa Noll schreibt im Jahr 1982 einen Brief, der andere zum Nachdenken bringt, und die Sache kommt in Gang. Die Pflicht zur historischen Wahrheit lässt mich an dieser Stelle hinzufügen, dass nach der Quellenlage auch andere die prekäre Lage erkannt hatten, und so hatten schon vorher unter Pater Bernward Überlegungen zu einem Orgelneubau stattgefunden, waren erste Kostenvoranschläge und Prospektentwürfe entstanden. Davon wusste ich damals noch nichts, denn ich fing ja erst mit dem Orgelspiel an. Und es schmälert auch keineswegs das Verdienst von Christa Noll, ihr Brief stellt einfach eine der vielen notwendigen und wichtigen Initiativen dar, um so ein Projekt überhaupt anlaufen zu lassen. Warum unsere Orgel aber in solch einem Zustand war und welche Vorgeschichte sie besaß, das wird Gegenstand der nächsten Blogbeiträge sein …

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Ein Blog zu 25 Jahren Orgel – warum?

– Was ist wirklich dran am Faszinosum Orgel? –

Ganz ehrlich, mein Klavier oder meine Geige besitze ich nun auch schon über 25 Jahre, und trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, zu ihrem 25-jährigen einen Blog zu schreiben. Ich habe nicht mal auf das Datum geachtet. Bei der Orgel ist das anders. Eine Orgel tritt ja auch nicht einfach durch Kauf und Aufbau in ihr Leben, sondern wird feierlich geweiht. Sie ist in der lateinischen Kirche das liturgische Instrument, ihre Qualitäten treten bei der mitunter gern kunstvollen Begleitung einer singenden Gemeinde klar hervor. Eine Orgelweihe ist daher für die ganze Gemeinde ein besonderes Ereignis, das in Erinnerung bleibt und das es wert ist, in Erinnerung gehalten zu werden.

Außerdem kann ich im Zusammenhang mit der Orgel auf einige Superlative verweisen, die sicher auch zum Faszinosum Orgel beitragen. Sie ist das bei Weitem monumentalste Instument, das wir kennen. Die Anschaffung einer Orgel für eine Kirche oder einen Konzertsaal verschlingt im Vergleich mit anderen Instrumenten das meiste Geld, ein Orgelprojekt kann mit einem Hausbau locker mithalten. Die Orgel ist das technisch komplexeste Instrument, und für ihre Beschreibung existiert ein eigenes riesiges Vokabular an Fachbegriffen. Schließlich kann die Klangfülle einer Orgel der eines ganzen Orchesters ebenbürtig sein.

Das alles mag Ursache dafür sein, dass das Interesse am Instrument Orgel groß ist, das Internet von Orgelseiten und youtube-Videos mit Orgelmusik quillt und die Fülle von Orgelschriften und -veröffentlichungen unübersehbar ist. Dennoch muss ich zugeben, dass ich damit eine zwar durchaus weit verbreitete, aber immer auch persönliche Begeisterung wiedergebe. Die der leidenschaftlichen Saxofonistin oder des passionierten Posaunisten für ihr oder sein Instrument ist selbstverständlich genauso berechtigt. Und das ist auch gut so, denn wenn’s nur Organisten gäbe, wäre es auch todlangweilig.

Orgelliteratur
Das Internet quillt, und der Bücherschrank auch.

Mich aber hat die Faszination an diesem liturgischsten, monumentalsten, teuersten und komplexesten Instrument Orgel nun mal gepackt, und so möchte ich an die Weihe unserer Jann-Orgel in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul hier in Bad Soden-Salmünster erinnern. Ich gebe zu, dass ich und andere sich diese Erinnerung zunächst anders vorgestellt hatten, natürlich mit Veranstaltungen und Konzerten aus diesem Anlass. Jetzt lässt die Corona-Epidemie das alles nicht zu, und so müssen andere Wege und Mittel gefunden werden. Ein Blog, in dem ich aus meiner Erinnerung die Ereignisse wiedergebe, die dann schließlich in Bau und Weihe der Orgel gipfelten, könnte unter Corona-Umständen eine gute Möglichkeit sein, und die möchte ich nutzen. Eines ist klar: Ich kann mich dabei auf einige Dokumente, Bilder und Schriften aus dieser Zeit stützen, aber letztlich verbleibt ein subjektiver Anteil darin, woran und wie ich mich erinnere. Deshalb würde der eine oder die andere sicher einen Sachverhalt mal anders wiedergegeben oder vermisst einzelne Aspekte. Dazu kann ich nur das folgende Angebot machen: Wenn mich während der Zeit, in der ich den Blog schreibe und hier veröffentliche – das wird vom 1. Mai bis zum 24. Mai 2020 sein -, andere Darstellungen oder wesentliche Ergänzungen erreichen, werde ich das anschließend in einem Anhang zum Blog gern aufgreifen.

Den Abschluss des Blogs am 24. Mai soll dennoch ein Konzert auf der Jann-Orgel in St. Peter und Paul bilden. Weil das bis dahin sicher nicht live möglich sein wird, muss es virtuell erfolgen … mal sehen, was die technischen Möglichkeiten so hergeben. Bis dahin wünsche ich euch viel Freude beim Lesen dieser Seite, die hoffentlich mit ihren Texten, Bildern, Videos und der einen oder anderen Kuriosität auch einigen Unterhaltungswert bieten wird!

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25 Jahre DRK-Wasserwacht Birstein

Rettungswurfsack-Zielwerfen am Stausee und Feiern im DRK-Depot Birstein – die DRK-Wasserwacht Birstein des Rotkreuz-Ortsvereins Vogelsberg hat das Jubiläum ihres 25-jährigen Bestehens mit einem Wettbewerb für Hilfsorganisationen und einem Kommersabend begangen.

Beim Wettbewerb am Ahler Stausee, den die Wasserwacht bei strahlendem Frühsommerwetter für Kinder und Jugendliche sowie für erwachsene Mannschaften ausgerichtet hatte, waren an den verschiedenen Stationen rund um den See Geschicklichkeit beim Zielwerfen mit dem Rettungswurfsack gefragt, Schnelligkeit beim Befüllen der Kübelspritze mit Stauseewasser, um mit dem Wasserstrahl aufgestellte Dosen umzuwerfen, und Überblick beim Rückwärtsfahren um eine Boje mit dem Tretboot. Fundierte Kenntnisse in Erster Hilfe mussten die Teilnehmer an einer weiteren Station vorweisen, um eine Herz-Lungen-Wiederbelebung nach einem angenommenen Badeunfall vorzuführen und den Patienten danach zu transportieren. Den Wettbewerb für Kinder und Jugendliche entschieden die Jugend des THW Steinau und das Jugendrotkreuz Schlüchtern, die zusammen alle fünf teilnehmenden Mannschaften als gemischte Mannschaften gemeldet hatten, für sich. Bei den Erwachsenen siegte die Mannschaft der DLRG vor den Mannschaften des DRK-Ortsvereins Niedermittlau und des DRK-OV Steinau. Federführend vorbereitet hatten den Wettbewerb Gemeinschaftsleiter Ralf Oberschelp mit Unterstützung von Wasserwacht-Mitgliedern und Mitgliedern der Feuerwehr Ahl, darunter besonders die Technischen Leiter der Wasserwacht, Marcel Kloberdanz und Jan Oberschelp sowie Wehrführer Christian Hummel.

Die Jubliäumsfeier mündete am Abend in einen Kommersabend im DRK-Zentrum in Birstein. Zu Gast waren zahlreiche Vertreter aus Lokalpolitik und Hilfsorganisationen sowie interessierte Bürger. Der stellvertretende Gemeinschaftsleiter der Wasserwacht, Frank Kleespies, moderierte den Abend und flocht musikalische Zwischenspiele in den Ablauf ein. Kleespies leitete den Abend mit der Feststellung ein, dass die Wasserwacht im 25-sten Jahr ihres Bestehens eine vitale Organisation ist, die “mitten im Leben” steht und ihre Ziele erfolgreich und für andere wahrnehmbar umsetzt. Gemeinschaftsleiter Ralf Oberschelp skizzierte die 25-jährige Geschichte der Wasserwacht, die besonders in den ersten Jahren von einer nachhaltigen Aufbauarbeit und schrittweisen Ausweitung der eigenen Aufgaben und Qualifikationen geprägt war. So ist die Wasserwacht Birstein neben dem Bereich Rettungsschwimmen heute tätig in den Bereichen Motorrettungsboot und Rettungstauchen und betreibt aktive Jugendarbeit.

In Grußworten würdigten die Vertreter aus der Lokalpolitik die Tätigkeit der Wasserwacht und gratulierten zu dem Silbernen Jubiläum. Landrat Thorsten Stolz überbrachte eine Spende des Main-Kinzig-Kreises und betonte besonders, dass die Hilfsorganisationen eine positive Antwort auf die Herausforderungen der Zeit geben, indem sie aktive Unterstützung anbieten und ein positives Signal in die Gesellschaft senden, während andere sich nur gegen Entwicklungen stellen. Die anwesenden Bürgermeister, Gemeinderäte und Gemeindebrandinspektoren aus Birstein, Brachttal und Bad Soden-Salmünster sowie die Vertreter der DLRG und des THW betonten das gute und nahtlose Hand-In-Hand-Arbeiten unter den Hilfsorganisationen sowie in der Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Ein besonderes Beispiel stellt dabei die Kooperation der Wasserwacht Birstein mit der Feuerwehr Ahl dar, deren Vorsitzender Matthias Hummel dies in seinem Redebeitrag würdigte und ein Geschenk übergab. Wasserwacht-Landesleiter Bernd Engel, der selbst dem Birsteiner Ortsverein entstammt, überbrachte die Glückwünsche und Grüße des hessischen Rotkreuzverbandes. Der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Gelnhausen-Schlüchtern sowie des DRK-Ortsvereins Birstein, Heiner Kauck, beschloss den Reigen der Gratulanten mit dem Wunsch an die Wasserwacht, immer wieder zur Weiterentwicklung und zur Überwindung von Schwierigkeiten fähig zu sein. Mit der Siegerehrung der Wettbewerbsteilnehmer und einem Imbiss und Getränken für alle Anwesenden endete die abwechslungsreiche Feier beim gemütlichen Zusammensein im DRK-Zentrum Birstein.

Quintessenz

Quintessenz singt Jazz und Swing – am 6. Mai, 17 Uhr, in Steinau

Jazz und Swing – in jedem Fall vokal, entweder a cappella oder mit Klavierbegleitung, das steht als Überschrift über dem Programm, welches das Vokalensemble Quintessenz am Sonntag, dem 6. Mai 2018 um 17 Uhr in der Katharinenkirche in Steinau an der Straße bietet.

Stilistisch hat sich Quintessenz damit beispielsweise auf Swing, Latin, Bebop oder Bossa Nova eingeschworen – bei aller Breite und allen Möglichkeiten, die der Begriff Jazz schon beinhaltet, setzt Quintessenz aber noch eins drauf. Das Vokalensemble singt Jazziges, das ganz unterschiedlichen Zusammenhängen entspringt und sich in ganz unterschiedlichen Formen ausdrückt. Bob Chilcotts fünfsätzige, kurze und prägnante „Little Jazz Mass“ leitet das Programm ein. Weiter geht es mit Filmtiteln wie „Singing in the Rain“ und „Smile“, es folgen Jazz Standards wie Antonio Carlos Jobims „Agua de Beber“ und Charles Trenets „Beyond the Sea“ und schließlich Musical- und Revuemelodien wie George Gershwins „I got Rhythm“ und Jimmy McHughs „On the Sunny Side of the Street“. So wird auch diesmal die gewohnte Vielfalt eines typischen Quintessenz-Konzertes erreicht!

Der Eintritt zum Konzert ist frei, Quintessenz bittet die Zuhörerinnen und Zuhörer um eine Spende.

https://www.facebook.com/events/1071374966347203/

Quintessenz sind:
Marion Bös, Sylvia Müller und Kerstin Uffelmann, Sopran
Kirsten Bleek, Sabine Hoffmann und Isabelle Schinzer, Alt
Holger Bös, Stefan Schinzer und Jens Uffelmann, Tenor
Rainer Bleek, Johannes Michaelis-Braun, Dag Tore Schulz und Stefan Xenakis, Bass
Frank Kleespies, Klavier

Das Vokalensemble „Quintessenz“ entstand 1998, also vor zwanzig Jahren. Ursprünglich gründeten fünf befreundete Sängerinnen und Sänger „Quintessenz“ mit der Idee, in einer kleinen Besetzung Werke quer durch die Chorliteratur singen zu wollen. Schon bald hat sich das Ensemble auf eine größere Anzahl von Sängerinnen und Sänger erweitert, damit ein noch breiteres Repertoire an Chormusik zugänglich ist. Die Freude am Singen und die Freundschaft der Ensemblemitglieder untereinander haben dabei ihren Platz von Anfang an bewahrt. Die Mitglieder des Ensembles, das aus musikalisch engagierten Laien besteht, wählen ihr Repertoire frei von stilistischen oder geschmäcklerischen Schranken aus der vollen Bandbreite, die die Chorliteratur bietet.